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Der Pflegestellenversager

Es war einmal eine Familie deren alte Hündin nach vielen Jahren verstorben ist. Nach einer großen Trauer und der Gewissheit niemals wieder so einen tollen Hund bekommen zu können, sahen sie im Internet einen Welpen und bewarben sich auf ihn.

Da die Familie perfekt für einen Hund war, wurden die formellen Dinge schnell erledigt, und nach wenigen Wochen zog Yenni ein. Eine Schäferhundmischlingshündin von vier Monaten.

Herrchen und Hund waren sofort ein Herz und eine Seele, und Yenni lernte die Welt kennen.

Die Geschwister von Yenni hatten leider nicht so viel Glück. Sie warteten in Spanien darauf ebenfalls adoptiert zu werden.

Da die Familie von ihrer Yenni so begeistert war, interessierten sie sich auch dafür wie es mit ihren Geschwistern weiterging.

Sie halfen dem vermittelnden Tierschutzverein für alle Babies ein Zuhause zu finden.

Nur für die schüchterne Hündin wollte sich niemand interessieren.

Nachdem klar war, dass alle Geschwister außer Ciri reisen konnten, entschied die Familie für Ciri einen Pflegeplatz anzubieten. Sie sollte doch nicht allein im Zwinger zurückbleiben.

Ruck zuck war dann auch schon Ciri da. Deutlich schüchterner als Yenni und eine sehr vorsichtige Hündin. Die beiden Schwestern allerdings spielten vom ersten Moment des Wiedersehens an zusammen, und Yenni zeigte Ciri was sie schon alles erkundet hatte.

Als sich wenige Wochen später eine Familie für Ciri interessierte, stellte sich heraus, dass die Beziehung zu Ciri bereits so eng war, dass man sich nicht mehr trennen wollte. So kam die Familie ungeplanter Weise zum Zweithund.

Wenn jemand einen Hund adoptiert, der eigentlich nur zur Pflege kommen sollte, sind das die sogenannten PSV = Pflegestellenversager.

Die Mama von Yenni und Ciri ist immer noch ein Straßenhund in Spanien. Oft wurde versucht sie einzufangen, aber sie kennt alle Tricks und ist sehr vorsichtig. Das Problem ist, dass sie nicht kastriert ist und sich immer weiter vermehrt. Sie wird seit vielen Monaten mit immer dem gleichen Rüden beobachtet, der vermutlich der Vater ihrer Kinder ist.

So war es auch nicht verwunderlich, dass sie bereits wenige Monate später wieder trächtig war.

Sie hält sich mit ihrem Partner immer in der gleichen Region auf, weshalb Tierschützer sie relativ gut beobachten konnten. So wurde dann auch ihr neuer Wurf nach wenigen Wochen entdeckt, und Tierschützer konnten auch diese Babies sichern, als sie die Mama nicht mehr brauchten.

Sie sahen genau so aus wie die Babies aus dem ersten Wurf.

Und wieder wurden Familien gesucht. Die Geschichte fing an sich zu wiederholen. Alle Babies bekamen einen Wurf mit dem Anfangsbuchstaben W.

Auch die Familie von Yenni und Ciri half wieder erfolgreich dabei geeignete Familien zu finden.

Hund für Hund fand Interessenten, Vorkontrollen fanden statt und ein Reisetermin rückte immer näher. Wieder war ein Hund übrig, der allein zurück bleiben musste. Der kleine Rüde Waldo hatte keine Anfrage.

Kurzentschlossen entschied die Familie, dass auch er nicht allein bleiben soll, und bot ihm einen Pflegeplatz an. Sie waren immer nur an Hündinnen interessiert, und Rüden interessierten sie nicht.

So reisten die sechs W-Hunde nach Deutschland, und Waldo zog bei der Familie ein und lernte seine älteren Geschwister Yenni und Ciri kennen. Das fand er toll, schließlich konnte den ganzen Tag gespielt werden.

So wie die zwei Schwestern sich sofort an den Mann der Familie gehängt hatten, schloss Waldo vom ersten Moment an eine innige Freundschaft mit der Frau im Haus. Er wich nicht mehr von ihrer Seite, und es entstand eine enge Beziehung.

Es kam wie es kommen musste. Interessierte Menschen meldeten sich für Waldo. Aber die Frau der Familie wollte und konnte sich nicht mehr trennen.

Ursprünglich wollte man einen Hund adoptieren, und nun ging es bereits um Hund Nr. 3.

Das ist eine bedeutende Entscheidung die gut überlegt sein sollte.

Aber der Gedanke dass ihr Waldo sie verlassen würde war so unerträglich für die Frau, dass die Entscheidung für den dritten Hund ausfiel.

Zum zweiten Mal war die Familie PSV und nun Besitzer von drei Hunden.

Ihr denkt, dass gibt es doch gar nicht, die Geschichte ist bestimmt frei erfunden?

Ja, so könnte man meinen. Aber es ist genau so passiert. Die Liebe zu den drei Hunden war zu groß um sich von ihnen trennen zu können.

Die Familie hat nun abschließend entschieden, nie wieder einen Hund zur Pflege zu nehmen. 😊


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