Vorwort unserer 1. Vorsitzenden Susanne Tölle

Die Mitwirkung an unserer Homepage hat mir richtig viel Spaß gemacht. Nur vor der Rubrik Tipps hatte ich wirklich Respekt.

 

Warum und wovor?

 

In den vielen Jahren, die ich mich mit dem Thema Hunde beschäftige, musste ich immer wieder erleben, dass Hundehalter sich unglaublich böse streiten, weil sie von der Erziehung ihrer Vierbeiner unterschiedliche Vorstellungen haben.

Leider denken viele Hundebesitzer, dass ihr Umgang mit den Hunden der einzig Richtige ist. Gern zitiere ich in solchen Situationen den Spruch: "Zwei Hundehalter sind sich nur in einem Punkt einig, nämlich dass der Dritte keine Ahnung von Hunden hat".

Es wird mit allen Regeln der Kunst gestritten um seine eigenen Ideologien zu verteidigen.

 

Ähnlich wie in der Kindererziehung gibt es zu allen Zeiten auch einen Trend der modern ist, und dann von den meisten Hundeschulen versucht wird umzusetzen. Das wechselte in den letzten 30 Jahren von der autoritären Erziehung, über die antiautoritäre Erziehung bis hin zum Laisser Faire.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, was ist richtig. Viele Hundehalter bestehen darauf, die Antwort zu WISSEN. Um dieses vermeintliche Wissen zu verteidigen, wird sich über Facebook etc. gestritten bis aufs Blut. Es ist nicht die eine richtige Antwort, denn jeder hat nur seine persönliche Meinung aufgrund eigener Erfahrungen. Das ist natürlich bei mir nicht anders, es ist nur meine Meinung, und die ist nicht in Stein gemeißelt.

 

Zur Frage wie man denn nun mit Hunden umgehen sollte:

Es gibt natürlich ein Basiswissen, dass man vielen Büchern entnehmen kann. Erziehungsbücher für Hunde gibt es ebenfalls wie Sand am Meer. Wir stellen hier einige Bücher vor, die uns persönlich zusagen.

 

Über dieses Basiswissen hinaus gibt es kein Richtig oder Falsch. (Dabei setze ich voraus, dass inzwischen allgemein bekannt ist, dass Gewalt gegen Hunde ein no go ist.)

Es gibt nur unendlich viele Hunde, welche alle Individuen sind und deswegen einen individuellen Umgang benötigen.

Es gibt ängstliche Hunde, welche man am liebsten nur in den Arm nehmen möchte. 

Es gibt hyperaktive Hunde, die einen wahnsinnig machen können.

Es gibt Kontrollfreaks bei den Hunden, und den passionierten Jäger, aber natürlich auch den Wachhund.

Es gibt dumme Hunde, selbst wenn jeder davon überzeugt ist, dass er den cleversten Hund überhaupt hat ;-), und unglaublich intelligente Hunde.

Das zeigt eigentlich schon, dass es nicht nur einen Weg im Umgang mit allen Hunden geben kann.

 

Gerade aktuell höre ich häufig, dass man mit seinem Hund zu einer Hundeschule geht, die nach dem Grundsatz der "positiven Bestärkung" arbeitet. Was bedeutet das?

Ein Hund wird für sein gutes Verhalten mit Leckerchen belohnt, während gleichzeitig das ungewünschte Verhalten ignoriert wird. Der Plan ist, dass der Hund so langfristig nur noch das gewünschte Verhalten zeigen soll. Das klingt erst mal richtig, und es gibt Hunde, für die ist genau das der Königsweg. Dennoch gibt es auch andere Hunde. Wenn ich zum Beispiel einen Hund habe, der fürchterlich an der Leine pöbelt sobald er andere Hunde sieht, nutzt einem die positive Bestärkung gar nichts. Ich ignoriere die Pöbelei, und wenn er später wieder korrekt an der Leine geht, bekommt er sein Leckerchen. Dieser Hund wird sicher niemals mit diesem Verhalten aufhören. Vermutlich denkt er sogar: "So, dem anderen Hund habe ich es jetzt mal so richtig gegeben. Gleich bekomme ich wieder mein Leckerchen, weil Frauchen so stolz auf mich ist." Das bedeutet also, dass der gleiche Umgang in einer Situation mit dem Hund zur Entspannung führt, in der nächsten Situation jedoch das schlechte Benehmen sogar noch steigert.

Was ist jetzt richtig? 

DIE einfache Antwort gibt es nicht. Zur Klärung dieser Frage muss ich ganz viel Wissen. Erst einmal muss ich wissen, was für einen Hund ich an der Leine habe. Habe ich einen großen, selbstbewussten Hund oder einen kleinen ängstlichen? Oder vielleicht einfach nur einen Hund der körperlich völlig unterfordert ist, weil er zu wenig Bewegung hat? Was ist der Typ am anderen Ende der Leine für ein Mensch? Ist es der große, selbstbewusste 90 kg Mann, oder eine schüchterne, kleine Person die grad mal 50 kg auf die Waage bekommt? Das alles, und noch viel mehr, ist wichtig, um den richtigen Umgang mit seinem Hund zu finden. Ohne dass das Eine gut und dass Andere schlecht ist. 

Jetzt besteht natürlich die Gefahr, dass man sagt, dann hilft ja alles nichts. Wie soll ich denn wissen, welcher Weg bei meinem Hund der Richtige ist? Toll ist es schon, wenn man bereit dazu ist, seinen Erziehungsstil überhaupt in Frage zu stellen. Damit ist die erste Hürde bereits genommen. Traurig ist es, wenn Hundebesitzer das schlechte Benehmen ihrer Hunde rechtfertigen:

"Mein Hund kommt aus dem Tierheim, der hat schlimme Erfahrungen gemacht."

Oder:

"Das ist nun mal ein echter Terrier."

 

Ein guter Trainer hat mal gesagt: „Es gibt Wege und es gibt Ausreden. Aber jeder Hund kann lernen sich zu benehmen.“

Die schlechte Erfahrung oder die Rasse eines Hundes zu nutzen um sein schlechtes Verhalten zu erklären, ist eine Ausrede.

Nicht jeder Hund kann Kunststücke lernen, und sicher ist auch nicht jeder Hund dazu berufen ein guter Wachhund zu sein.

ABER: Jeder Hund kann lernen sich gut zu benehmen. Damit meine ich nicht, dass er sich auf den Boden schmeißt, wenn er den Befehl Platz bekommt und mit einem Kadavergehorsam gehorcht. Ich meine damit, dass jeder Hund so geführt werden kann, dass er von der Gesellschaft positiv wahrgenommen wird.

 

Es macht mich traurig, wenn ich bei meinen täglichen Hundespaziergängen erlebe, wie Menschen, die Angst vor Hunden haben, den Hundehalter bitten, ihren Hund anzuleinen. Und dieser Hundehalter empört antwortet: "Gehen sie doch einen anderen Weg", oder: "Der darf hier frei laufen, ich zahle schließlich Hundesteuer". Ich finde es selbstverständlich, wenn jemand Angst vor Hunden hat, darauf Rücksicht zu nehmen. Natürlich kommt es auch vor, dass Nicht-Hundehalter frech werden und zum Beispiel rufen: "Nehmen sie ihren scheiß Köter an die Leine". Ich muss zugeben, dass ich selber geneigt bin, es in diesem Fall nicht zu tun. Selbstverständlich leine ich meine Hunde dann trotzdem an und gehe kommentarlos weiter. Manchmal weise ich solche Leute auch darauf hin, dass mir ihr Ton nicht gefällt.

Mir ist es wichtig als gutes Beispiel voraus zu gehen. Es gibt leider genug Hundehasser unter uns, und immer öfter hört man von Hunden die Giftköder gefunden haben und elendig daran verreckt sind. Deshalb ist meiner Meinung nach jeder Hundehalter dafür verantwortlich, seinen Hund so zu führen, dass Menschen keinen Hass auf Hunde entwickeln. Es ist toll, wenn ein Hundebesitzer erkennt, dass mit seinem Hund etwas nicht rund läuft, sich Hilfe holt, um daran zu arbeiten.

 

Wenn ihr noch keinen Hund habt, lasst euch gut beraten, welcher Hund zu euch passt. Dann werdet ihr höchstwahrscheinlich so manche Probleme mit eurem Hund gar nicht erst bekommen. Sowohl ich, als auch meine VereinskollegInnen sind gerne bereit dir dabei zu helfen. 

Selbstverständlich unterstützen wir auch bei Hunden, die von uns vermittelt worden sind. Leider gibt es den guten Tipp oder Trick nicht, den ihr nur anwenden müsst, um alle Probleme mit eurem Hund zu lösen. Einen Hund zu haben bedeutet, sich mit ihm auseinanderzusetzen, ihn kennen zu lernen und zu verstehen. Wer einen Hund hat, sollte aber auch genug Humor haben, wenn es mal nicht so läuft. Geduld zu haben ist ebenfalls von Vorteil.

Wer seinen Hund liebt und ihn entsprechend seiner Bedürfnisse hält, hat die besten Chancen einen tollen Partner fürs Leben zu haben.

 

Gerne geben wir dir Hilfestellung.

Deine Susanne Tölle

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