Hund aus dem Tierschutz oder vom Züchter?

Wir haben in der Vergangenheit bereits einen Leitfaden geschrieben, der helfen soll, seriösen Tierschutz vom illegalen Hundehandel zu unterscheiden. (--> Seriöser Tierschutz oder Hundehändler?)

Darüber hinaus ist aber auch die Auseinandersetzung zwischen seriösen Tierschützern und seriösen Züchtern immer wieder ein Thema, welches schnell die Gemüter überkochen lässt und in üblen Streitigkeiten endet.

Aus diesem Grund wollen wir auch hier gerne aufklärend informieren:

Zunächst einmal muss man auch bei den Züchtern zwischen den seriösen und nicht seriösen unterscheiden. Denn von den nicht seriösen Züchtern gibt es leider auch sehr viele. Es lässt sich zu viel Geld damit verdienen, als das moralische Bedenken gehört werden. Nicht seriöse Züchter zeichnen sich dadurch aus, dass ihnen die Hunde eigentlich völlig egal sind. Sie vermehren, um damit Geld zu verdienen und geben ihre Hunde an jeden ab, der den aufgerufenen Preis bezahlt. Gesundheitsüberprüfungen gibt es kaum oder gar nicht.  

Hund in entfernten Hemd

Wie erkennt man einen seriösen Züchter?

Viele Züchter sind vom Zuchtverband zwar anerkannt, aber für unser persönliches Verständnis weit davon entfernt zu den seriösen Züchtern zu gehören. Deshalb sollte sich auch ein interessierter Kunde allein von der Zugehörigkeit zum Zuchtverband nicht beeindrucken lassen.

Für uns zeichnet sich ein seriöser Züchter durch die Liebe zu den Hunden und seiner Rasse aus. Er kennt alle Krankheiten, die bei seiner Rasse häufiger vorkommen und macht einen Gentest bei den Eltern, falls dies medizinisch möglich ist, um möglichst dafür zu sorgen, dass die Welpen gesund sein werden. Natürlich kann es immer sein, dass ein Hund im Laufe seines Lebens erkrankt, aber durch gezielte Zucht können viele rassespezifische Erkrankungen eliminiert werden. Leider gewöhnen sich viele Menschen (Züchter und Käufer) an diese Krankheiten und finden es inzwischen normal, dass der Mops kaum atmen kann und im Sommer regelmäßig aus Luftnot umkippt, der Schäferhund schwere Hüftgelenksdysplasie hat und spätestens mit 5 Jahren nur noch unter schlimmen Schmerzen laufen kann und die Bulldogge spätestens mit 2-3 Jahren einen Bandscheibenvorfall hat. Solche Zuchten dürfen nicht unterstützt werden!! Viele gesundheitliche Probleme wurden den Hunden bestimmter Rassen angezüchtet. Dies wird deutlich, wenn man sich mal die Mühe macht das Internet etwas zu durchforsten und Bilder vergleicht wie diese Rassen noch vor 100 Jahren ausgesehen haben (z.B. https://dogbehaviorscience.wordpress.com/2012/09/29/100-years-of-breed-improvement/).

Im Juni 2021 fand wieder die Westminster Kennel Club Dog Show in New York statt, die älteste Hundeshow der Welt. Es war sehr schlimm anzusehen welche Hunde als Idealbild ihrer Rasse prämiert wurden. Übergewichtig, mit viel zu viel Fell oder viel zu kurzen Schnauzen. Spielt das Wohlbefinden der Hunde dort noch eine Rolle? Warum muss es bei manchen Menschen immer extremer sein? Mehr Fell, kürzere Schnauze, immer größer oder kleiner – wiegen doch manche Hunde - ausgewachsen! inzwischen weniger als ein Kilogramm. Das ist für uns auch keine seriöse Zucht.

Es gibt sehr viele Kriterien, die einen Hund für die weitere Zucht ausschließen sollten. Bei Gefahr für die Gesundheit einer Rasse muss der entsprechende Hund sofort aus der Zucht genommen werden.

Seriöse Züchter behalten auch ihre alten Hunde oder Hunde, mit denen sie nicht mehr züchten können. Bei ihm sind die Hunde Familienmitglieder und man trennt sich natürlich nicht von einem Familienmitglied, das eventuell in der Zukunft Hunde gebären würde, die krank werden könnten. Nicht seriöse Züchter würden entweder mit diesem Hund einfach weiter züchten, wissentlich dass der verkaufte Hund mit einer hohen Wahrscheinlichkeit in einigen Jahren erkranken wird. Oder sie verkaufen ihren Hund, weil er für die Zucht nicht mehr zu gebrauchen ist. Damit ist dann für jeden ersichtlich, dass hier der Gewinn über die Zuneigung zum Hund steht. Damit wird aber auch ersichtlich, dass seriöse Züchter nicht sehr viele Welpen haben können. Wenn Jemand mehr als 1-2 Würfe im Jahr macht, kann man schon eher von einer gewerbsmäßigen Zucht ausgehen. Sie sollten sich also darauf einstellen, dass Sie bei einem seriösen Züchter mit einiger Wartezeit rechnen müssen, bis Sie ihr neues Familienmitglied bekommen können.

Legt man sich einen Hund von einem seriösen Züchter zu, erhält man beim Kauf die Ahnentafel und die Wurfabnahmeprotokolle vom Rassezuchtverband oder von einem Tierarzt. Man kann die Welpen besuchen und bekommt einen Einblick darüber wie die Hunde dort leben. Der seriöse Züchter hat keine Zwinger. Die Hunde leben bei ihm im Haus und selbstverständlich kann man auch die Hundemama kennenlernen. Die Hunde sind in einem guten Zustand und angstfrei gegenüber Menschen.

Im Grunde haben der seriöse Tierschützer und der seriöse Züchter sehr viele Gemeinsamkeiten. Beide zeichnen sich durch die Liebe zu den Hunden aus.

Beide sagen eher einem Interessenten ab, bevor er einen Hund jemandem mitgibt, bei dem er ein ungutes Bauchgefühl hat.

Beide nehmen einen Hund auch wieder zurück, wenn die Vermittlung nicht erfolgreich war, und der Adoptant oder Käufer den Hund nicht mehr behalten kann.

Beide sind an erster Stelle am Wohlergehen der Hunde interessiert und legen viel Wert darauf den Kontakt zu den Adoptanten/Käufern aufrecht zu halten und regelmäßig Fotos und Informationen zu bekommen.

Beiden sind die Gesundheit und das Wohlergehen ihrer Hunde sehr wichtig. Sie achten darauf, dass ihre Hunde vollständig geimpft sind und entwurmt sind.

Aber beim Züchter wird der Hund gekauft, wohingegen er im Tierschutz adoptiert wird. 

Was wäre denn wenn man die Hundezucht grundsätzlich verbieten würde?

Alle Hunde würden sich miteinander vermischen, und wie es in der Natur so üblich ist, setzt sich das stärkste Tier durch. Am Ende gäbe es nur noch Hunde die dem Wolf, bzw. dem Schäferhund sehr ähnlichsehen würden.

Dann gibt es sicher keinen Dackel, keinen Pudel und auch keinen Galgo mehr. Aber all diese Hunde finden und lieben wir auch im Tierschutz.

Uns ist es sehr wichtig nicht alle Züchter zu verteufeln, sondern dafür sensibel zu machen, dass es dort riesige Unterschiede gibt, und man sich die Zeit nehmen muss nach einem guten Züchter zu suchen. Bei guten Züchtern gibt es auch keine Billigwelpen, wobei teure Welpen auch kein Qualitätsmerkmal sind. Wenn Jemand seine Rasse liebt und diese Rasse züchtet, auf Gesundheit achtet und seine Hunde an geeignete Käufer verkauft ist das auch mit dem Tierschutzgedanken vereinbar. Aus unserer Sicht ist die ewige Diskussion Tierschutz oder Züchter, die zum Teil hochemotional geführt wird, gar nicht notwendig. Vielmehr sollte man die Diskussion führen seriös oder nicht seriös. Ein nicht seriöser Züchter ist auch nicht schlimmer oder besser als ein nicht seriöser Tierschützer.

Wenn es nicht um das Wohlbefinden der Hunde geht, sondern nur darum möglichst viel Geld zu machen, dann darf man das einfach nicht unterstützen.

Manche Menschen sind überzeugte Tierschützer. Für sie kommt nichts anderes in Frage als ein Hund aus dem Tierschutz zu nehmen. Andere Menschen würden immer nur einen Hund vom Züchter kaufen. Aber wünschen sich nicht alle Menschen, dass es alle Hunde gut haben, egal woher sie kommen? Jedes Lebewesen hat das Recht auf ein schönes und glückliches Leben!!

Wir möchten dafür sensibilisieren, noch genauer hinzuschauen, wenn Sie sich einen Hund zulegen wollen. Leider haben immer noch viele Menschen Angst davor sich einen Tierschutzhund anzuschaffen. Das ist sehr traurig und sicher auch mangelnder Aufklärung geschuldet. Beispiele von schlechten Erfahrungen gibt es leider mehr als genug.

Wenn aber diese Gründe dazu führen nach einem seriösen Züchter zu suchen, ist das verständlich und sollte von jedem, der Hunde liebt, akzeptiert werden.

Gerne beraten wir auch allgemein über das Thema Auslandstierschutz.

kontakt@wir-fuer-hunde-in-not.de

Beispiele für misslungene Hundezuchten:

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