Tierschutzgedanken

Eine Vollbluttierschützerin lässt uns an ihren Gedanken zum Thema Tierschutz teilhaben.

Mut machende Worte, die zeigen, dass selbst der aussichtsloseste Kampf eine Chance ist.

Aufgeben ist keine Option!

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Nele während ihrer Leishmanioseerkrankung

Die ersten vierzig Jahre meines Lebens habe ich ohne Hunde verbracht. Nicht ohne Tiere, und selbstverständlich kamen meine Tiere - Kaninchen, Vögel, Schildkröten - aus dem Tierheim oder waren nicht mehr gewollt.

Nachdem ich meinen wundervollen Sohn ins Leben entlassen hatte, habe ich nach einer sinnvollen Aufgabe gesucht, um nicht "einfach nur so und nur für mich vor mich hin zu leben".

Zufällig brauchten Freunde für einige Wochen eine Unterbringung für ihre zwei alten, kleinen Hunde-Omis, eine Rauhaardackeldame und eine Yorkie-Omi.

So fing es an. Als die beiden wieder zurück in ihr Zuhause zogen, fehlten sie mir so sehr, daß ich eben genau danach suchte, ein kleines, altes Doppelpäckchen. Einzelhund ? Das kam für mich nicht infrage, denn Hunde sind Rudeltiere und ich habe immer versucht, Tiere so artgerecht wie irgend möglich zu halten. Zudem war und bin ich berufstätig und das Alleinelassen kann ich mit sehr viel ruhigerem Gewissen verantworten, wenn die Nasen schon älter und nicht alleine sind.

In den umliegenden Tierheimen wurde ich nicht fündig. Ich finde Schäferhunde, Rottweiler und Doggen wirklich toll, aber das habe ich mir als totaler Hundeanfänger nicht zugetraut. Also ab ins Internet und gelandet bin ich bei einem nahen Tierschutzverein. Ich klagte mein Leid und die Dame sagte: "Ein Doppelpäckchen, kleine, alte Mädels ? Habe ich gerade hier..." Ich antwortete spontan: "Die beiden nehme ich." Stille. Dann die Dame: "Was haben Sie gerade gesagt ? Möchten Sie nicht erst einmal Fotos, Infos ?" Nee, wollte ich nicht, und daß sie Leishmaniose hatten, war mir auch egal - ich wußte ja gar nicht, was das ist.

Nun erfuhr ich, die ich bis dato gar nicht wußte, daß es "Auslandstierschutz" gab, daß meine beiden noch in Spanien waren. Ich hatte drei Wochen, um alles einzukaufen, was man meiner Meinung nach für Hunde brauchte (den Fahrradanhänger habe ich 10 Jahre später ungenutzt verschrottet). Dann kam der große Tag und Emma und Lily zogen bei mir ein.

Um es kurz zu machen: Die kleine Omi Emma verbrachte samt ihrer Leishmaniose noch vierzehn Jahre bei mir. Nach einem halben Jahr kam der erste Pflegehund (mit Leishmaniose). Kurz darauf las ich vom Schicksal der spanischen Galgos und wurde Pflegestelle für Galgos (u.a. mit Leishmaniose).

Die Seelenhündin meines Lebens war und ist Nele, ein Beaglemädchen mit dem schlimmsten Leishmaniose-Ausbruch, den ich je gesehen hatte. Wir haben es geschafft und Nele hatte daraufhin noch elf putzmuntere Jahre bei mir. Ich habe Nele geschworen, daß ich mein Leben lang jedes alte Beaglemädchen aufnehmen werde, das ich irgendwo mit Leishmaniose sehe. Bisher habe ich mein Versprechen gehalten und daher kamen Lili, Mia, Adele und Bine aus Sizilien und Spanien zu mir.

Ja, mir liegen die Leishmaniose-Hunde am Herzen. Sie sind die gesündesten Hunde, die ich habe. Krebs ist so viel schlimmer. Es gibt dramatische Fälle, aber sie sind selten.

Ich stelle fest, daß ich - je länger ich im Tierschutz aktiv bin - immer intoleranter anderen Menschen gegenüber werde. Oft verstehe ich nicht, warum mein Gegenüber nicht versteht, was ich ihm erkläre. Was ich wirklich am nervigsten finde, ist der immer wieder gerne wiederholte Satz: "So viele Hunde, nein, das wäre nichts für mich." Danach habe ich aber doch gar nicht gefragt! Mir genügt es doch, daß es für mich etwas ist...

Die kranken und die alten und die traumatisierten Hunde - sie sind mein Leben und ich versuche verzweifelt, ein bißchen von dem wieder gutzumachen, was Menschen ihnen angetan haben - durch Mißhandlung, durch Gleichgültigkeit, durch Egoismus, durch mangelnde Empathie, durch falsch verstandene Tierliebe, durch das Züchten perfekter und gut verkäuflicher Ware, während Tausende und Abertausende Hunde niemals die Liebe und Geborgenheit eines Zuhause erfahren.

Ich habe gar kein Verständnis mehr für die Menschen, die das Züchten verteidigen. Die Tierheime in Spanien sind VOLL mit Galgos, auch mit trächtigen Hündinnen. Muß man denn dann wirklich anfangen, Galgos in Deutschland zu züchten, damit ein Hund "Papiere hat" ? Unsere Welt ist so krank.

Viele Menschen sind einfach unwissend und vieles passiert dann aus dieser Unwissenheit heraus. Aber wenn ich dann weiß, wieviele Hunde (und Katzen und Kaninchen und und und...) in Tierheimen leiden, dann ist es verantwortungslos, noch mehr Leid und Elend zu produzieren / züchten. Wer kann die Geschichte von Herkules lesen, ohne bitterlich zu weinen ? Manchmal wünschte ich, nie in dieses Tierschutzleben hineingeraten zu sein; es bedeutet so viel Schmerz und soviel Trauer und soviel Traurigkeit. Aber das sind nur Sekunden, und dann heißt es: Schluß mit Jammern, das hilft niemandem. Kopf hoch und weiter geht's - die Hunde da draußen brauchen uns. Aufhören ist keine Option. Niemals.

Und dann gibt es da ja schließlich auch die wunderwunderschönen Momente - wenn mich eine traumatisierte Nase zum ersten Mal anwedelt, wenn ein von der Leishmaniose gezeichneter Hund wieder das blühende Leben wird, wenn ich einen Hund nach Jahren im Betonzwinger bei mir in weichen Kissen liegen sehe, wenn ein Hund endlich ohne Schmerzen laufen kann...

Ach Mensch, eigentlich wollte ich eine schöne Tierschutzgeschichte schreiben, und jetzt das !

Also noch etwas richtig Schönes: Vor einigen Jahren legte mir die liebe Susanne Tölle eine kleine, junge, angefahrene, extrem ängstliche Bretonin ans Herz. Nieves hatte sie aufgenommen, nachdem sie angefahren und im Graben liegengelassen worden war - mit einem zertrümmerten Hinterbein und voller toter Welpen. Ich hatte sie mehrfach übersehen, weil sie so jung war, weil sie weder ein Galgo noch ein Beagle war, weil sie keine Leishmaniose hatte :-)

Nun schaute ich genauer hin und kurze Zeit später kam sie bei mir an. So viel Angst... Auch wieder ein Fall, in dem ein Tierschutzverein seine Verantwortung nicht erst nahm und wäre es nach diesem gegangen, wäre das Hinterbeinchen amputiert worden. Aber Susanne kämpfte mit mir für Billa und nach einer gelungenen Operation, reichlich Physiotherapie und regelmäßigem Wasserlaufband läuft Billa heute auf vier Beinen, als wäre nie etwas gewesen. Und Angst hat sie heute nur noch vor einem Gewitter :-)

Tja, liebe Menschen da draußen: Wenn Ihr nach etwas sucht, das Euch völlig erfüllt, das Euch unsägliches Glück beschert und das Eurem Leben einen Sinn gibt, dann werdet Pflegestelle oder gebt einem Hund aus dem Tierschutz ein Zuhause. Denn:

Der Sinn des Lebens ist ein Leben mit Sinn.

Eva Brück

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Nele nach ihrer Genesung