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Besuch in Ludus

Ein Bericht von Lia Engelbrecht

Fünf Tage lang durften Malwina und ich das staatliche Shelter in Luduş besuchen – fünf Tage, die uns noch lange im Herzen bleiben werden. Fünf Tage voller intensiver Eindrücke, Begegnungen und kleiner, aber bedeutender Fortschritte. Tage, an denen wir Zeit, Geduld und Aufmerksamkeit den Hunden widmen konnten, die dort Tag für Tag darauf warten, gesehen zu werden.

Unser Wunsch war dabei vor allem eines: die Hunde wirklich kennenzulernen. Hinter jedem Zwinger sitzt ein eigenes Wesen mit einer eigenen Geschichte. Wir wollten ihre Charaktere verstehen, vorsichtig Vertrauen aufbauen und sie so einschätzen, dass sie die bestmögliche Chance auf ein eigenes Zuhause bekommen.

Im Shelter lebten derzeit etwa 20 Hunde: 15 Welpen – darunter acht ganz neue kleine Welpen sowie sieben Herdenschutzhund-Welpen – und fünf erwachsene Hunde: Leonardo, Sven, Rocky, Carlos und Marlies.

Die Tage vor Ort waren gefüllt mit vielen Aufgaben, die auf den ersten Blick vielleicht unscheinbar wirken, für die Hunde jedoch von großer Bedeutung sind. Die Hunde wurden gewogen und vermessen, bekamen zum ersten Mal Geschirre angezogen und wurden fotografiert, damit sie überhaupt eine Chance bekommen, gesehen zu werden. Vor allem aber ging es darum, Zeit mit ihnen zu verbringen – ihnen Nähe zu schenken, ruhig bei ihnen zu sitzen, vorsichtig Kontakt aufzubauen und Vertrauen wachsen zu lassen. Natürlich gehörte auch das Reinigen der Zwinger und die tägliche Versorgung der Hunde zum Alltag.

Malwina und ich hatten im Tierheim völlig freie Hand und konnten den ganzen Tag bei den Hunden verbringen. Die Zeit verging oft so schnell, dass wir manchmal sogar zu spät zum Supermarkt kamen. In diesen Tagen haben wir unglaublich viel geschafft – und trotzdem blieb immer das Gefühl, dass man noch so viel mehr hätte tun wollen.

Diese intensive Zeit hat uns eines ganz deutlich gezeigt: Jeder einzelne Hund in Luduş hat eine echte Chance auf ein eigenes Zuhause. Hinter jedem Zwinger wartet ein einzigartiger Charakter, ein Lebewesen mit Gefühlen, Hoffnungen und einer unglaublichen Bereitschaft, dem Menschen zu vertrauen – selbst dann, wenn das Leben bisher nicht immer freundlich zu ihm war.

Leonardo zum Beispiel ist ein frecher, aufgeweckter junger Hund, der neugierig durchs Leben geht und immer wissen möchte, was um ihn herum passiert. Sven ist eher leise und zurückhaltend, dabei aber unglaublich freundlich und mit einem ganz besonderen Charme, der einen schnell berührt. Rocky ist ein echtes Powerpaket, voller Energie und Lebensfreude, und genießt jede Form von Nähe zum Menschen, als hätte er lange darauf gewartet.

Ein ganz besonderes Erlebnis war Carlos. Ein ganzes Jahr lang wartete er im Shelter. Ein ganzes Jahr hinter Gittern, ein ganzes Jahr ohne eigene Familie. Lange galt er als schwer vermittelbar. Doch manchmal braucht es einfach Zeit, Geduld und Menschen, die bereit sind hinzuschauen. Carlos hat sich geöffnet – Schritt für Schritt. Heute darf er auf einer Pflegestelle leben und von dort aus nach seinem Für-immer-Zuhause suchen.

Auch Marlies hat uns sehr überrascht. Die etwa 40 Kilogramm schwere Herdenschutzhündin wartet ebenfalls schon lange auf ihre Chance. Trotz ihrer Größe ist sie eine unglaublich sanfte, freundliche und bezaubernde Hündin. Nach ein wenig Überzeugungsarbeit genoss sie es sichtlich, im Auslauf unterwegs zu sein, zu schnuppern und für einen Moment einfach etwas anderes zu sehen als die Wände ihres Zwingers.

Diese Momente draußen waren für alle Hunde etwas ganz Besonderes. Jeder einzelne durfte für eine Weile hinaus, neue Gerüche entdecken und sich die Beine vertreten – für die Hunde bedeutet es ein kleines Stück Freiheit. Die Welpen spielten und tobten ausgelassen im Auslauf, jagten sich gegenseitig und vergaßen für einen Moment, dass ihr Zuhause eigentlich aus Gittern besteht.

Unter den sieben Herdenschutzhund-Welpen fiel jeder auf seine ganz eigene Art auf. Flora mit ihrer frechen und neugierigen Art, die sofort auffällt. Bamboo, Willow und Viola zeigten sich als mutige und charmante Hundekinder. Cataleya, Miki und Coco sind anfangs etwas zurückhaltender, doch voller Potenzial in den Händen der richtigen Menschen. Mit jedem Tag, den Malwina und ich dort verbrachten, konnten wir beobachten, wie sie mutiger wurden und immer mehr Vertrauen fassten. Cataleya hat inzwischen bereits ihr Für-Immer-Zuhause gefunden – und schon nach wenigen Tagen war von der anfänglichen Schüchternheit aus dem Shelter nichts mehr zu sehen.

Besonders bewegt hat uns auch die kleine Lumi. Zwischenzeitlich sah es so aus, als würden wir sie verlieren. Sie erhielt ihren Namen von uns, weil wir es nicht ertragen konnten, sie namenlos gehen zu lassen. Jedes Lebewesen verdient eine Identität. Niemand sollte namenlos von dieser Welt gehen müssen.

Doch Lumi hat gekämpft. Mit einer Kraft, die man in diesem kleinen Körper kaum erwarten würde. Und sie hat gewonnen. Eine kleine Kämpferin, die uns gezeigt hat, wie stark der Wille zu leben sein kann.

Lumi und sechs ihrer sieben Geschwister sind dem Menschen gegenüber aktuell noch etwas zurückhaltend. Doch auch hier zeigt sich: Jeder von ihnen trägt seinen ganz eigenen Charme in sich. Eine der kleinen Mäuse ist bereits sehr mutig und offen – und mit Zeit, Geduld und liebevollen Menschen werden auch die anderen weiter auftauen.

Diese fünf Tage waren intensiv, manchmal schwer und emotional – aber auch voller Hoffnung. Es waren Tage voller Begegnungen, kleiner Fortschritte und besonderer Momente. Tage, an denen viel gelacht wurde, obwohl nicht immer alles leicht war.

In kurzer Zeit konnte unglaublich viel bewegt werden. Vor allem aber konnten die Hunde für einen Moment spüren, dass sie gesehen werden. Dass sie nicht vergessen sind. Und dass irgendwo da draußen vielleicht genau der Mensch lebt, der ihnen eines Tages ein Zuhause schenkt.

Denn jeder dieser Hunde wartet – nicht auf Mitleid, sondern auf eine Chance.


 
 
 

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