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Camilo

 

Ich bin Hannah und ich möchte die Geschichte von mir und meinem besten Freund, meinem Hund Camilo, erzählen.

Im Jahres 2014 entschied ich mich für den großen Schritt, einen Hund zu adoptieren. Ich war zu dieser Zeit Studentin in Hamburg und wohnhaft in einer tollen Wohngemeinschaft. Unsere Familie hatten schon immer Hunde gehabt und mir war die Erziehung und Pflege nicht fremd.

Für mich war klar, dass es kein Hund aus einer Züchtung sein sollte. Nicht wegen des hohen Kaufpreises, sondern weil das für mich keinen Sinn ergab. Ich wollte einem Geschöpf, dass alleine war und keine Perspektive hat ein Zuhause geben und ganz viel Liebe. Das Tierheim schloss mich, wegen der Wohnsituation, aus.

Ich recherchierte im Internet und stieß auf ein Bild von einem Hund. Ich hatte diese traurigen Augen gesehen und da setzte mein Herz aus. Ich las drei- oder viermal die Beschreibung des Hundes durch. Dann schaute ich mir die Bilder der anderen Hunde an, aber ich kam immer wieder auf diesen einen Hund zurück. Er kam aus Murcia, Spanien. Ich schlief eine Nacht darüber, besprach mich mit meinem Partner und am nächsten Tag schickte ich den Bewerbungsbogen ab.

Schon nach zwei Tagen bekam ich einen Anruf und durfte mit Frau Tölle telefonieren. Es wurden viele Fragen zu meinen Vorstellungen und Erfahrungen gestellt und meine Unsicherheiten und die Vorgehensweise, bezüglich dieses Abenteuers, wurden in Ruhe besprochen. Es war ja schon etwas verrückt sich einen Hund während des Studiums zu holen…

Wir fingen an regelmäßig zu telefonieren, da es noch etwa zwei Monate dauern sollte, bis Camilo nach Deutschland kommen sollte. Ich bekam aktuelle Bilder von Camilo und Murcia. Ein Ort, an dem Freud und Leid so nahe beieinander liegt. Ich war und bin dankbar über den Idealismus in einer seltsam, grausamen Welt für die, die sich nicht wehren können.

Ich hatte von meinem Vermieter noch kein Go bekommen und fing langsam an zu zittern. Trotzdem hatte Frau Tölle eine eiserne Ruhe und machte mit mir das Vorgespräch aus. Sie und ihr Mann und ihre zwei Hunde wollten mich in Hamburg besuchen, um sich einen persönlichen Eindruck zu machen. Wo findet man heute noch eine so liebevolle Präzision in einer so wichtigen Arbeit.

Ich war etwas nervös und aufgeregt und hoffte sehr, dass unsere WG hundetauglich war, und natürlich auch ich…

Als sie ankamen war es eine herzliche Begegnung. Es gab Kaffee und Kuchen und wir unterhielten uns sehr lange. Sie erzählten mir, dass Camilo schon ein besonderer Hund war. Der allein auf der Straße aufgefunden wurde und dann aus der Tötungsstation geholt wurde. Camilo sah sehr süß aus, aber er hatte große Angst vor Menschen und war oft überfordert. Also doch eine größere Aufgabe, als ich dachte. Irgendwann legte sich der eine ihrer Hunde auf meine Füße und ich wäre fast geplatzt vor Stolz. Wenn das mal kein gutes Zeichen war…

Ich hatte keine Zweifel mehr. Ich wollte für Camilo eine gute Hunde-Mama sein. Ich fühlte mich super begleitet und perfekt vorbereitet.

Dann war es soweit:  Der Termin für Camilos Anreise war gesetzt. Nun telefonierte ich fast alle zwei Tage mit Frau Tölle (Sie hatte immer Zeit für mich, auch wenn es etwas nichtiges war), um ja alles vorbereitet zu haben und für alles gewappnet zu sein. Ich bekam viel sachliche und emotionale Hilfe. An einem Samstag Morgen im April klingelte der Wecker im 4.30 Uhr und mein Freund und ich machten uns auf, um zu dem Hof zu fahren, an dem die Hunde ankommen sollten. Im Hof sprangen die Hunde munter umher, freuten sich, nach der langen Fahrt spielen und Pipi machen zu können. Nur einer stand im Eck und zitterte und zog den Schwanz ein – Camilo - ein wunderschöner Mischling, der einfach nur Angst hatte.  Ohje!

Ich setzte mich neben ihn und schaute den anderen Hunden beim toben zu. Irgendwann setzt sich Camilo hinter mich und ich durfte ihn berühren. Dann nahm ich ihn auf den Schoß und er legte sich hin. Das dauerte etwa eine Stunde. Diese Geduld zahlte sich aus.

Schon nach wenigen Tagen ging Camilo morgens freudig mit mir in die Uni. Freute sich über Mensch und Tier. Lag gemütlich auf meinem Schoß, wenn ich auf einer Theaterprobe war und fing an ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln.

Er war und ist mein treuer Begleiter, der bei meiner Hochzeit, bei der Geburt meines Kindes und selbst beim Tod meines Vater stehts an meiner Seite war. Ich bin unendlich Dankbar, dass Camilo und ich diese Chance bekommen haben.

Vielen Dank, Familie Tölle

 

von Hannah Bachmann

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